Morbus Parkinson (ugs. „Schüttellähmung“)

Definition Parkinson

Degenerative Erkrankung von Neuronen der grauen Substanz = Degeneration der Dopamin-Bildenden Zellen mit der Folge eines extrapyramidalen Syndroms

Entdecker: James Parkinson 1817

PD Pflegediagnosen:

  • Angst
  • Wahrnehmungsstörung olfaktorisch
  • (Gefahr einer) Akute Verwirrtheit
  • Übelkeit
  • Sturzgefahr
  • Selbstversorgungsdefizit (Körperpflege, Kleidung, Nahrung..)
  • Schluckstörung
  • Beeinträchtigte (verbale) Kommunikation
  • Körperbildstörung
  • Beeinträchtigte Haushaltsführung
  • Gefahr eines Flüssigkeitsdefizits
  • Autonome Dysreflexie
  • Unwirksame Aktivitätenplanung
  • Gestörte Denkprozesse


Pflege:


Epidemiologie:

  • Häufigste neurologische Alterserkrankung
  • Prävalenz: BRD 150 000, Europa und USA 160-180/100 000 Einwohner

Inzidenz (Neuerkrankungen): BRD 13000 in 2010, vermutl. hohe Dunkelziffer

  • (geschätzt 250 000 Erkrankte)
  • Prävalenz sehr niedrig in China, Japan, Afrika und Südeuropa
  • Primäre/idiopathische Form: 75%, hereditär: 15%, sekundär/symptomatisch: 10%

Ursachen:

Ursache des für die primäre Erkrankung M. Parkinson verantwortlichen Ungleichgewichts der Neurotransmitter ist noch nicht geklärt.

Sekundärer M. P. (durch äußere Einflüsse/Krankheiten) entstanden:

  • Medikamente (MCP, Neuroleptika: Haldol, Truxal, Fluanxol, CA-Antagonisten)
  • Postenzephalitisch, nach Gehirnentzündung (auch in Kindheit)
  • Toxisch (Pestizide)
  • Vaskulär
  • Posttraumatisch (Bsp. Boxer, Fußballer)
  • Paraneoplastisch (tumorbedingt)
  • Hydrozephalus


Risikofaktoren:

Symptom:

1. Frühsymptome

  • Rücken-, Nacken- und Schulterschmerzen
  • Anosmie (Abnahme oder Verlust des Riechvermögens)
  • Schnelle Ermüdbarkeit
  • Antriebs- und Initiativmangel/depressive Verstimmung
  • Mikrografie (kleine Schrift
  • Stimmveränderung (leise, heise)
  • Einseitiges Fehlen des Armpendels (beim Laufen, Balance)
  • Körperhaltung (nach vorne gebeugt), Gehverhalten

2. Kardinalssymptome

2.1. Akinese (Bewegungsunfähigkeit der Willkür- und Ausdruckbewegungen, reduzierte
Mimik, Mikrophonie: leise, langsame Sprache, trippelnder, schlurfender Gang, Stop- und Startschwierigkeiten,
Haltungsinstabilität: fehlende Balance, Fallneigung, Störung der Eigenreflexe)

2.2. Rigor (Starre: unwillkürlich erhöhter Muskeltonus, Muskelschmerzen, Fehlhaltung des Körperstamms, abgehackte Bewegung, Widerstand in Gelenken= „Zahnradphänomen“)

2.3. Tremor (Ruhetremor= „Münzzählen“, niederfrequentes Zittern, das bei willkürlicher Bewegung abnimmt, Betonung meist an Händen, Kopf, Füßen, führt zu Gewichtsabnahme durch erhöhten Energieverbrauch u. durch Unterernährung bei erschwerter Nahrungsaufnahme)

2.4. Haltungsinstabilität, s.o. bei Akinese


3. Symptome unterschiedlich ausgeprägt,
Drei Typen (Tremordominanztyp, Akinsestyp, Äquivalenztyp = beide Symptome sind vorhanden),
Tremor fehlt bei 10% der Patienten


4. Weitere Symptome:

4.1 vegetativ

  • Salbengesicht (vermehrte Talgproduktion), mit Akinese = Maskengesicht
  • Schweißausbrüche bes. nachts (Vorsicht Exxikose)
  • Blasen-Darmstörungen: bes. Obstipation, Pollakisurie mit Oligurie, Inkontinenz
  • Speichelfluss durch Schluckstörung bedingt
  • Orthostatische Dysregulation
  • Sexualstörungen


4.2 Sensibel:

  • Geruchsstörungen
  • Parästhesie
  • Schmerzen


4.3 Kognitiv:

  • Bradyphrenie (verlangsamte Denkprozesse), Schwierigkeit bei Entscheidungsfindung,

Unruhe, Panikattacken, Schlafstörungen, Inflexibilität

4.4 Psychisch:

  • Stimmungslabilität, Melancholie, Depression, Appetitmangel (Halluzinationen, Verwirrtheit, Angst, manische Zustände oft Medikamentennebenwirkung)


Diagnostik:

Erste Symptome meist erst bei Verlust von 50% dopaminergen Neuronen, vorher Frühsymptome auch leicht übersehen oder verkannt = Diagnose erfolgt meist erst sehr spät!

  • Körperliche Untersuchung, Nutzung von scores (Beweglichkeit, Symtomausprägung)
  • Obligatorisch: Akinese, zusätzlich mind. eines der 3 Kardinalssymtome (Tremor, Rigor, Haltungsinstbilität)
  • Ausschluss symptomatischer/sekundärer und atypischer Parkinsonsyndrome
  • Diagnose unterstützende Kriterien:

Ansprechen auf L-Dopa, einseitiger Beginn, später symmetrisch

  • Zerebrale Bildgebung (MRT, DAT Scan, beta CIT Spect)
  • Riechtest


DD Differentialdiagnose:

  • Demenzielle Erkrankungen (Levy-Körperchen-Demenz)
  • Multisystematrophie
  • Progressive supranukleäre Paralyse (PSP)
  • corticobasale Degeneration

     

Path. Pathopysiologie:

Ungleichgewicht der Transmitter Dopamin, Acetylcholin, Serotonin, GABA (Gamma-Aminobuttersäure), Glutamat, Noradrenalin, damit werden Nervenimpulse fehlgeleitet, gehemmt oder übermäßig ausgelöst. Dopamin-bildende Neurone beeinflussen die extrapyramidale Motorik (automatisch ausgeführte, erlernte Bewegungen, meist unwillkürlich ausgeführt, Bsp. Schwimmen), Zerstörung der Dopamin-bildenden Neurone zieht u. a. also eine Störung der extrapyramidalen Bewegungsmuster nach sich.


Krankheitsverlauf, Komplikation, Beobachtungskriterien.K.

Chronisch-progredienter Verlauf, individuell unterschiedlich. Kurativ nicht heilbar, Behandlung verlängert Lebenserwartung und kann Lebensqualität erhöhen, Verläufe können über Jahrzehnte reichen.

Todesursachen: Infektionen (Atemwege, Pneumonien), Folgen von schweren Stürzen, Folgen von schweren Dysphagien, akinetische Krise (völlige Starre/Bewegungsblockade, betrifft auch die Atmung)

30% erkranken an einer Demenz


Therapie:

1. Medikamentöse Therapie

Individuell, maßgeschneidert, appliziert oral, per Pen oder Pumpe

Wirkungsmechanismen:

  • Dopamin-Ersatz
  • Dopaminagonisten (selbe Wirkung, nutzen gleiche Rezeptoren)
  • Verminderung des Dopaminabbaus
  • Rezeptorantagonisten (bremsen die stärkeren Transmitter Acetylcholin+Glutamat

Präparate:

  • L-Dopa (Madopar), in Verbindung mit Decarboxylasehemmern
  • Dopamin-Agonisten (Clarium, MAO-B-Movergan, Anticholinergika (Akineton),

Amantadin

Dopaminpräparate dürfen nicht zum Essen eingenommen werden, sonst wird das Dopamin abgebaut, gelangt nicht an den Zielort. Strikte Einnahmezeiten beachten!!


Nebenwirkungen

  • Obstipation, Diarrhoe, Mundtrockenheit
  • Nausea, Emesis
  • Hypotonie, Rhythmusstörungen
  • Miktionsstörungen
  • Verwirrtheit, Halluzinationen, Angst


Spätfolgen der medikamentösen Therapie:

  • Wirkungsverlust (Wearing-off)
  • Dyskinesien (abnorme, unwillkürliche Bewegungen)
  • Dystonien (langsame, zähflüssige, oft drehende Bewegungen, daraus resultieren Fehlstellungen an Rumpf oder Extremitäten)
  • Freezing (plötzliche Blockierung der Bewegung)
  • On-Off-Phänomene (Fluktuationen: Befinden fluktuiert abrupt zwischen gut = on und sehr schlecht = off, betrifft v. a. Beweglichkeit


2. Konservative Therapie

  • Physiotherapie
  • Logotherapie
  • Ergotherapie
  • Massage
  • Psychotherapie


3. Operative Therapie

Stereotaktische, tiefe Hirnstimulation (DBS)


Prävention Gesundheitsförderung

Literatur

Links:



© 2016